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Frühling im "Vaterhaus"

Es ist wieder Frühling geworden im Frauenrehabilitationszentrum in Celishe in der Ukraine. Das Wetter ist wärmer, und immer häufiger sieht man die Einwohnerinnen des Zentrums im Garten: beim Vorbereiten, Bepflanzen und Pflegen der Gemüsebeete, beim Füttern der Hühner und Enten, beim allgemeinen Frühjahrsputz. Das ist für sie nicht nur eine Frühlingsbeschäftigung oder eine Art, das schöne Wetter auszunutzen. Die Frauen wissen, dass die Ernte dem ganzen Zentrum helfen wird, da durch die eingesparten Kosten fürs Essen anderes Wichtiges bezahlt und das Zentrum so finanziell unabhängig werden kann.

Aber natürlich macht ihnen das Arbeiten im Garten auch Spaß. Einfach nur Unkraut jäten, die Sonne genießen, etwas Sinnvolles tun, Gemeinschaft haben, sich zufrieden fühlen: Vor wenigen Monaten noch konnten diese Frauen sich das kaum vorstellen. Da waren sie noch alkohol- oder drogenabhängig, einsam, verzweifelt, mit sich und der Welt am Ende. Bis sie jemand ins Rehazentrum einlud. Hier lernten sie, dass das Leben ganz neu beginnen kann.

"Mein Vaterhaus"—so heißt das Rehabilitationszentrum für Frauen, eines von zehn Rehazentren, die von Helping Hands' örtlichem Partner in der Ukraine unterstützt werden. Vor einigen Jahren wurde es von einem Ehepaar gegründet, die selbst durch den Rehabilitationsprozess gegangen waren, dann heirateten und sich entschieden, ihr Leben dafür zu investieren, anderen Menschen aus der Drogen- und Alkoholsucht herauszuhelfen. Auch die anderen Mitarbeiter im Zentrum sind Menschen, die früher abhängig waren, aber durch das Rehabilitationsprogramm erfolgreich aus ihrer Sucht befreit wurden.

Die Frauen, die hilfesuchend ins "Vaterhaus" kommen, haben Schlimmes durchgemacht: Sie wurden missbraucht, sind abhängig, oft unterernährt und leiden unter Infektionen; viele sind HIV-infiziert. Alle haben ein sehr schwaches Selbstbewusstsein und wenig Hoffnung für die Zukunft.

Wie zum Beispiel Tanya. Sie wuchs in einer guten Familie auf, war talentiert, ihre Zukunft vielversprechend. “Aber ich wollte cool sein”, erzählt sie. “Zuerst fing ich mit Alkohol an, dann kamen die Drogen. Das Geld dafür beschaffte ich mir durch Diebstahl, Betrug, Prostitution.” Eine Abwärtsspirale, aus der es scheinbar keinen Ausweg gab. Tanya infizierte sich mit HIV, lebte auf der Straße oder im Gefängnis, konnte sich nicht aus der Drogensucht befreien. Im "Vaterhaus" erhielt sie eine neue Chance.

Etwa 100 Frauen im Alter von 18 bis 60 Jahren absolvierten während der letzten vier Jahre das einjährige Rehabilitationsprogramm im "Vaterhaus": Lektionen, Gruppenarbeit und Therapie. Dabei bewältigen die Frauen nicht nur ihre Sucht, sie nehmen auch an Schulungsprogrammen teil und erlernen verschiedene handwerkliche und landwirtschaftliche Fähigkeiten, so dass sie nach der Rehabilitation wieder in die Gesellschaft eingegliedert werden können.

Ein wichtiger Aspekt dabei ist, dass die Frauen neues Selbstbewusstsein erlangen. Dazu gehört das Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten, aber auch das Vertrauen auf Gott. In einer Gesellschaft, in der die Menschen ohne geistliche Grundsätze aufwachsen, führen viele ein Leben ohne Sinn und versuchen, ihren geistlichen Hunger im Drogenkonsum zu stillen. Im Rehazentrum finden die Frauen einen sicheren Halt und neuen Mut fürs Leben. Viele kehren als Reha-Helfer in ihre Heimatorte zurück, um anderen aus dem Teufelskreis der Sucht herauszuhelfen. Auch Tanya durfte diese Erfahrung machen. Im christlichen Glauben fand sie die Hoffnung und Freiheit, die sie vorher vergeblich gesucht hatte. “Hier wurde mein Hunger nach Sinn gestillt”, berichtet sie. “Gott gab mir Freude und Liebe ins Herz—eine Liebe, wie ich sie vorher gar nicht kannte.” Inzwischen geht sie zur Universität und hilft in einer Selbsthilfegruppe für HIV-Infizierte. “Jetzt lebe ich schon seit elf Jahren mit dem Virus, und doch fühle ich mich kräftig und kann anderen eine Ermutigung und Hilfe sein.”

Es ist wieder Frühling geworden im "Vaterhaus" in Celishe. Man sieht es an den frisch umgegrabenen Beeten, an den ersten grünen Spitzen, die aus dem Boden blinzeln, an den Küken, die unsicher übers Gelände wanken. Und man sieht es in den Gesichtern der Frauen, denn auch in ihren Herzen ist es wieder Frühling geworden: Dort blüht die Gewissheit, dass der Winter vorbei ist und dass das Leben ganz neu beginnen kann.

© 2011 Helping Hands e.V. Bitte diesen Bericht (auch nicht auszugsweise) nicht ohne schriftliche Genehmigung weiterverwenden.

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