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Kinder laufen mit Lehrerin auf Straße
Jahresprojekt 2019—Straße oder Schulbank?

17.500 Euro für Kindergarten und Kinderzentrum in Albanien angestrebt

Wozu Schule, wenn man ohnehin im Unterricht nicht mitkommt? Wenn man dort nur Ablehnung erfährt? Wo man doch auf der Straße wenigstens ab und zu etwas zu essen finden kann? Und die Eltern sich gar nicht darum scheren, wo man den ganzen Tag verbringt ... wenn man überhaupt Eltern hat? – Straße oder Schulbank? Das entscheiden Kinder aus Randgruppen in Tirana, der Hauptstadt Albaniens, täglich neu.

Für Samuel aus Kombinat, einem Stadtteil am Rande Tiranas, ist die Antwort klar: Natürlich Schulbank! Im Kinderzentrum erhalten er und andere Kinder das, was ihnen sonst gefehlt hat: Hilfe bei den Hausaufgaben, individuelle Aufmerksamkeit, das Wissen, geliebt und wertvoll zu sein. Auch eine nahrhafte Mahlzeit bekommen die Kinder – für viele die einzige am Tag.

Seit Frühjahr 2018 gibt es auch einen Kindergarten, damit schon die Kleinsten einen Ort haben, an dem sie geborgen sind und gute Werte lernen. Damit die Projekte möglichst bald finanziell unabhängig werden, ist noch Unterstützung nötig. Straße oder Schulbank? Helfen Sie mit, dass Kinder wie Samuel weiterhin die richtige Antwort wissen!

Für das Jahresprojekt strebt Helping Hands Gesamtspendeneinnahmen von 17.500 Euro an. Alle Spenden kommen zu 100% Kinderzentrum und Kindergarten in Albanien zugute. Bitte überweisen Sie Ihre Spende mit Vermerk "Jahresprojekt 2019" auf das Konto von Helping Hands e.V. bei der KSK Gelnhausen, IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394, BIC: HELADEF1GEL oder als Online-Spende. Das Spenden-Siegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) bestätigt, dass Helping Hands e.V. mit den anvertrauten Mitteln sorgfältig und verantwortungsvoll umgeht.

 

Weitere Informationen zu den geförderten Projekten
Weitere Informationen zum Kinderzentrum
Weitere Informationen zum Kindergarten

Hier finden Sie einen früheren Bericht zum Kinderzentrum

Anmerkung: Aus Datenschutzgründen sind alle Namen der Kinder geändert.

 

Kinder essen

 

Die PROJEKTE

Unser Hauptanliegen ist, dass die Kinderprojekte in Kombinat möglichst bald finanziell unabhängig werden; daran arbeiten wir gemeinsam mit Ergest, dem örtlichen Leiter. Unter anderem wird in diesem Zusammenhang noch anfängliche Unterstützung für ein zusätzliches Lehrergehalt benötigt.

Weitere einmalige Investitionen, die für Kindergarten und Kinderzentrum notwendig bzw. hilfreich sind, können je nach Spendenlage getätigt werden: Küchenutensilien, Überwachungskameras (das ist nach neuem albanischem Gesetz Pflicht), Computer für Informatik-Unterricht im Kinderzentrum, Waschmaschine für den Kindergarten.

 

Kinder im Kinderzentrum

 

Das KINDERZENTRUM

Die Köchin wunderte sich. Gezim, der sonst sein Mittagessen immer hungrig in sich hineinschaufelte, hatte nur ein paar Löffel voll gegessen und saß nun nachdenklich vor seinem Teller. Plötzlich stand er auf und kam zur Köchin herüber. “Darf ich mein Essen mit nach Hause nehmen?” – “Aber warum?”, wollte die Köchin wissen. “Weshalb willst du nicht hier essen?” – Gezim blickte ihr fest in die Augen. “Weil mein Bruder daheim nichts zu essen hat. Ich möchte mein Essen für ihn mitnehmen.”

An dem Tag ging Gezim mit genügend Essen für die ganze Familie nach Hause. Aber dieser Tag war kein Einzelfall, und Gezim ist nicht das einzige Kind im Kinderzentrum, bei dem es daheim nichts zu essen gibt. Da ist zum Beispiel auch Elira, die Älteste von vier Kindern. Sie ist erst 11 aber kümmert sich um ihre zwei Schwestern im Alter von 2 und 6 und ihren siebenjährigen Bruder. Ihre Mutter arbeitet als Putzfrau und Straßenfegerin und ist von morgens bis abends unterwegs. Ihr Gehalt reicht so grade eben für die Miete und oft ist einfach nichts mehr für Lebensmittel übrig – daher ist die warme Mahlzeit im Kinderzentrum für die Kinder meist die einzige am Tag.

Die 32 Kinder, die derzeit im Kinderzentrum angemeldet sind, haben alle ähnliche Geschichten. Manche haben gar keine Eltern, oder nur ein Elternteil. Viele sind aus Roma-Familien oder anderen Randgruppen, und die Eltern interessiert es gar nicht, wo ihre Kinder den ganzen Tag verbringen. Fast alle sind aus schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen. Ohne das Kinderzentrum würden alle diese Kinder überhaupt nicht zur Schule gehen – weil sie sich dort nicht sicher fühlen, weil sie kein Geld für Schulmaterial und ähnliches haben, weil sie diskriminiert werden, oder eben weil sich einfach niemand darum kümmert.

Seit es das Kinderzentrum gibt, haben diese Kinder aus Randgruppen wieder Mut, die Schule zu besuchen. Das Kinderzentrum ist von 9.00 bis 16.00 Uhr geöffnet; morgens um 9 Uhr kommen die Kinder, die nachmittags Schule haben; die zweite Gruppe kommt um 13 Uhr und bleibt bis vier. Eine Lehrerin und zwei Ehrenamtliche helfen den Kindern bei den Hausaufgaben und geben Nachhilfe wo nötig. Die letzte halbe Stunde ist für "persönliche Angelegenheiten" reserviert; zum Beispiel lernen die Kinder, wie man sich richtig die Hände wäscht und Zähne putzt – Dinge, die ihnen zuhause nicht beigebracht werden. Um 12 bzw. 13 Uhr gibt es Mittagessen für alle Kinder: Gezim, Elira und ihre Geschwister freuen sich immer besonders darauf.

Natürlich wird im Kinderzentrum auch gespielt, und etwa alle drei Monate machen alle gemeinsam einen Ausflug, damit die Kinder auch mal etwas anderes sehen und unbekümmert zusammen Spaß haben können. Meist erhalten sie im Kinderzentrum auch Schulmaterial oder Bücher, die sie für die Schule brauchen aber nicht bezahlen können, und ab und zu werden die Familien bei medizinischen Kosten unterstützt – zum Beispiel für die zwölfjährige Endrita, die vor kurzem wegen einer Zyste operiert werden musste, und deren Eltern um Hilfe baten.

Das zeigt, welchen Einfluss das Kinderzentrum auch aufs Umfeld hat: Die Familien vertrauen den Mitarbeitern und fühlen sich wohl, wenn sie ins Zentrum kommen – gar nicht so selbstverständlich bei Randgruppen, die ihr Leben lang diskriminiert werden und daher meist sehr misstrauisch sind. Auch andere Familien in Kombinat haben bemerkt, wie viel Unterschied das Kinderzentrum schon gemacht hat, und sind sehr dankbar dafür. Der Direktor der Schule, die die meisten Kinder besuchen, ist ebenfalls enorm dankbar und sehr offen dafür, mit den Mitarbeitern des Kinderzentrums in allem zu kooperieren, obwohl das in Albanien ungewöhnlich ist.

Vor allem aber wissen Gezim, Elira, Endrita und alle anderen Kinder, dass sie im Kinderzentrum einen Ort haben, an dem sie sich sicher und geborgen fühlen können, und in den Mitarbeitern Menschen, die sie lieben und wertschätzen und sich mit ehrlicher Hingabe um sie kümmern. Und diese Überzeugung, geliebt und wertvoll zu sein, spiegelt sich nicht nur in ihren Schulnoten wider: Man sieht es in ihrem geänderten Verhalten, in der Begeisterung, mit der sie ins Kinderzentrum kommen, und in den zuversichtlichen, strahlenden Gesichtern, wenn sie die Mitarbeiter begrüßen.

“Wir sind so dankbar, dass wir die Möglichkeit haben, diesen Kindern zu dienen,” schreibt der Leiter des Zentrums, “ihnen Freude zu bringen, und Hoffnung, und sie zu lehren, wie sie ihr Leben mit Integrität meistern können.”

 

Kinder im Kindergarten

 

Der KINDERGARTEN

Ali ist fünf – also das Alter, in dem man mit Modellautos spielt, sich für Teddybären noch nicht zu alt ist, und vielleicht schon vom Fahrradfahren träumt. Aber Ali hatte ganz andere Sorgen. Den ganzen Tag kümmerte er sich um seinen kleinen Bruder. Gar nicht so einfach, denn der kleine Bruder hat Down-Syndrom und ist erst ein Jahr alt. Die Mutter wollte ihn eigentlich gar nicht zur Welt bringen. Vier Jungs hatte sie ja schon, und alle von unterschiedlichen Männern. Das ist nicht ungewöhnlich, wenn man als Prostituierte arbeitet. Fünf Jungs, kein Vater – da muss ein Fünfjähriger schon mal an etwas anderes denken als Modellautos und Fahrradfahren.

Als Mitarbeiter unseres örtlichen Partners die Familie kennenlernten, war die Mutter gerade im Krankenhaus, um ihr jüngstes Kind abtreiben zu lassen. Glücklicherweise konnte sie umgestimmt werden. Die älteren Jungs sind jetzt im Kinderzentrum, für den Kleinsten konnte ein kostenloser Platz bei der albanischen Stiftung für Kinder mit Down-Syndrom organisiert werden, und Ali, der Vierte, besucht den Kindergarten. Dort kann er endlich mit Modellautos spielen, und auch mit den Teddybären hat er sich angefreundet. Noch besser: Im Kindergarten gibt es Jungs in seinem Alter, mit denen er unbekümmert spielen kann. Mittags bekommt er auch eine nahrhafte Mahlzeit. Als die Leiterin des Kindergartens ihn fragte, warum er immer so viel isst, sagte er nur: “Zuhause gibt es nichts zu essen.”

"AM-EL" heißt der Kindergarten in Kombinat, am Rande Tiranas: das heißt so viel wie "sich fleißig und ehrlich einsetzen, um Hoffnung zu bringen". Hoffnung für Kinder wie Ali – oder Delin und Anila, Bruder und Schwester aus einer Roma-Familie. Der Vater ist arbeitslos, die Mutter arbeitet auf der Haupt-Müllkippe Tiranas und sortiert den ganzen Tag stinkendes Plastik. Die beiden älteren Geschwister gingen nicht zur Schule, als unsere einheimischen Mitarbeiter sie trafen. Jetzt besuchen sie das Kinderzentrum, und Delin und Anila kommen zum Kindergarten. Das ist doch besser als Müllkippe!

Im April 2018 wurde der Kindergarten in Kombinat gegründet – trotz einiger Herausforderungen, “aber es hat sich gelohnt”, betont der Leiter unseres Partners in Kombinat. “Es hat sich gelohnt, weil wir sehen können, wie so viele Kinder und Familien durch diesen Kindergarten positiv beeinflusst werden. Unser Kindergarten soll Familien gute Werte vermitteln und den Kindern beibringen, wie sie ein Leben voll Freude und Hoffnung leben können. In unserem Teil der Welt wirkt es manchmal, als ob es keine Hoffnung mehr gibt. Aber wir können beobachten, wie die Familien, die ihre Kinder hierher bringen, viel fröhlicher und dankbarer sind.” Und der Kindergarten ist ja auch nicht nur ein Betrieb – von den 22 Kindern, die derzeit angemeldet sind, kommen drei aus schwierigen sozialen Verhältnissen und besuchen den Kindergarten kostenlos: Ali, Delin und Anila.

Der Kindergarten ist von Montag bis Samstag von 7.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Die Kinder (2–5 Jahre alt) beginnen mit Frühstück, dann machen sie in drei Altersgruppen ein paar Aufgaben und Aktivitäten, die bestimmte Fertigkeiten fördern, und spielen gemeinsam. Um 12 gibt es Mittagessen; danach gehen ein paar Kinder nach Hause, die anderen machen bis 15 Uhr Mittagsschlaf und spielen dann bis 17 Uhr. Jeden Tag gibt es auch für alle Gruppen eine besondere Unterrichtsstunde, die von Ehrenamtlichen angeboten wird: zweimal Musik, einmal Tanz und dreimal Englisch.

Ein normales Kindergartenprogramm? Für Ali, Delin und Anila ist es ein Tagesablauf, von dem sie vorher nur träumen konnten. Und der ihnen jetzt das schenkt, was sie so dringend benötigen: Freude für Heute, und Hoffnung, dass Morgen ebenso schön wird.