Home | Kinder | Katastrophenhilfe | Entwicklungshilfe | Helfen Sie mit! | Über uns | Kontakt
Themen
Online spenden

Pate werden

alter Fabrikhof mit Unrat
So hilft Ihre Spende

Dem tödlichen Spiel der Straße entkommen

Es mag wohl neunjährige Jungs geben, die modebewusst sind, aber Endreci gehört jedenfalls nicht dazu. Als wir ihn zum ersten Mal trafen, trug er die alten Turnschuhe eines Erwachsenen, die Jeans eines Jugendlichen und einen riesigen, pinkfarbenen Mantel. Er wollte nicht modisch aussehen. Er wollte einfach nur überleben. Überleben—ohne einen Vater, der schon vor vielen Jahren verschwunden war, und ohne eine Mutter, die nur sieben Monate vorher von einem Wagen erfasst und getötet wurde.

Zusammen mit sieben anderen Familienmitgliedern lebt Endreci in einem alten Fabrikgebäude, das nicht völlig ummauert ist und der Familie vor den minus-acht-Grad-kalten Nächten in Tirana kaum Schutz bietet. Die älteste Person im Haus ist Endrecis 22-jährige Schwester, die bereits zweimal verheiratet war; beide Männer haben sie verlassen. Der Jüngste im Haus ist ein zwei-Monate-alter Neffe, das jüngste Kind der ältesten Schwester; es wurde geboren, kurz nachdem der zweite Ehemann verschwand. Die anderen im Haus sind 2, 5, 15, 17 und 20 Jahre alt. Sie sammeln Dosen aus dem Müll und verdienen gemeinsam durchschnittlich ein oder zwei Dollar pro Tag—für acht Personen!

Die meisten Abende verbringt Endreci damit, dass er durch die Straßen wandert oder willkürlich Bus fährt; oft kommt er erst spät in der Nacht zurück. Eines Abends letzte Woche kam er betrunken oder high nach Hause, ein übles Spiel der älteren Straßenjungs: “Komm, wir geben diesem Kid Drogen oder Alkohol und haben unsren Spaß.” Mit neun Jahren lernt Endreci bereits, nach welchen Regeln auf der Straße gespielt wird.

Aber eines schönen, sonnigen Tages bekamen Endreci und seine Familie die Chance, aus dem tödlichen Spiel der Straße auszusteigen. Mitarbeiter vom "Institute for Total Encouragement" (ITE), Helping Hands' örtlichem Partner, trafen ihn auf der Straße und brachten ihn zur nächsten Kirche des Nazareners, die in Zusammenarbeit mit ITE und Spendern aus Deutschland im vergangenen Herbst in dieser Gegend einen Kindergarten eröffnet hatte. Dort bekam der Junge ein Bad und neue Kleidung. Die Familie erhielt Feuerholz für den Rest des kalten Winters. Mitarbeiter besuchten ihr Zuhause und werden das weiterhin einmal pro Woche tun. In Kürze wird ein Nähkurs begonnen, wo zwei der Schwestern lernen können, wie man Taschen näht, und durch den Verkauf mehr Geld verdienen. Eine prominente albanische Modedesignerin wird ehrenamtlich einmal pro Woche Nähunterricht geben für die Schwestern und andere Frauen, die in ähnlichen Situationen gefangen sind, und ihnen Fähigkeiten beibringen, durch die die Frauen ein angemessenes Gehalt verdienen und ihre Familien ernähren können. Das steigert auch ihr Selbstwertgefühl und gibt ihrem Leben einen ganz neuen Sinn.

Durch verschiedene Kontakte konnte für Endreci ein Platz in einem orthodoxen Kinderheim gefunden werden, wo er Schulbildung und medizinische Fürsorge erhält und in diesem kritischen Lebensabschnitt beschützt wird. Es ist dasselbe Kinderheim, wo schon die erwähnte Modedesignerin ein Zuhause fand, als sie ihren Vater als sehr kleines Kind verlor. Auch Endreci und seine Familie sind dem tödlichen Spiel der Straße entkommen. Jetzt dürfen sie sich sicher fühlen und können sich positiv entwickeln, in allen Bereichen: körperlich, finanziell, geistlich und psychisch. "Blumen des Lebens"—so heißt der Kindergarten, der im September 2011 hier eröffnet wurde. Im Leben von Endreci und seinen Geschwistern blüht zum ersten Mal die Hoffnung.

© 2012 Institute for Total Encouragement Albanien & Helping Hands e.V. Bitte diesen Bericht (auch nicht auszugsweise) nicht ohne schriftliche Genehmigung weiterverwenden.

zurück zur Übersicht